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Der informative Lebenslauf – was gehört hinein?

Ein Beitrag von Vogel & Detambel coaching for executives

 

Das Verfassen von Anschreiben und Lebenslauf bringt viele Bewerber zur Verzweiflung. Zu unterschiedlich und widersprüchlich sind die Tipps und Empfehlungen, die man zu diesem Thema zu lesen bekommt. Je mehr Informationen man einholt, desto weniger weiß man, worum es letztlich geht. Denn selten wird klar gesagt, für wen die Tipps eigentlich gedacht sind. Wenn ein gestandener Manager sich an Ratschläge hält, die für den Hochschulabsolventen gedacht sind, kann seine Bewerbung nicht optimal sein. Und für den Studenten gilt umgekehrt natürlich dasselbe. Mehr Klarheit gewinnt man, wenn man ein paar Grundprinzipen im Auge behält:

Zunächst einmal: Es gibt keine allein seligmachende Form für Anschreiben und Lebenslauf. Man sagt ja nicht, dieser Lebenslauf ist „richtig“, und jener ist „falsch“, man sagt, er ist „zweckmäßig“ oder er ist „unzweckmäßig“. Was jeweils zutrifft, hängt ganz von der Situation ab. Eine Bewerbung, die ein Hochschulabsolvent an einen Großkonzern richtet, um sich auf eine heißbegehrte Trainee-Stelle zu bewerben, wird anders behandelt und dient anderen Zwecken, als die Bewerbungsmappe, die ein Abteilungsleiter einem Vereinskollegen aushändigt, weil er von ihm weiterempfohlen werden möchte.

Das erste Prinzip lautet also: Auf den Empfänger kommt es an.
Deshalb ist es naheliegend, den Empfänger zu fragen, wie er es denn gern hätte. Es macht keinen Sinn, jemanden mit einer dicken, fetten Bewerbungsmappe zu „erschlagen“, der sich nicht einmal die Zeit nimmt, seine Emails von Anfang bis Ende zu lesen. Ebenso wenig macht es Sinn, jemanden mit einer knappen Zusammenfassung abzuspeisen, wenn man weiß, dass er eine ausgeprägte Liebe zum Detail hat. Natürlich kann man die Vorlieben des Empfängers nicht immer in Erfahrung bringen, manchmal gelingt es ja nicht einmal, den Namen und die Funktion des Empfängers herauszufinden. Das ist aber kein Grund, es gar nicht erst zu versuchen. In vielen Fällen klappt das nämlich sehr wohl.

Das zweite Prinzip lautet: Niemand hat Zeit zum Lesen.
Wer mit seiner Zeit knausern muss, entwickelt ausgeklügelte Techniken, um sein Lese-Pensum zu reduzieren. Deshalb lesen die meisten Personalprofis Bewerbungsunterlagen anders, als die Bewerber vermuten. Der Personaler, vor dem sich die Bewerbungsunterlagen auftürmen, sucht nach Gründen, sich schnell wieder von ihnen zu trennen. Deshalb liest er zunächst den Lebenslauf. Mögliche Ablehnungsgründe findet man nämlich nur im Lebenslauf, nicht im Anschreiben. Das Anschreiben ist ja den Vorzügen und Pluspunkten des Bewerbers gewidmet. Liefert der Lebenslauf zwingende Gründe für eine Absage – z.B. fehlende Sprachkenntnisse, Fehlen einer unabdingbaren Qualifikation oder zu wenig Berufserfahrung - dann kann man sich das Lesen des Anschreibens schenken. Auch wenn es ein Meisterwerk der Formulierungskunst sein sollte - an dem ablehnenden Urteil kann es nichts mehr ändern. Mit anderen Worten: Das Anschreiben ist längst nicht so wichtig, wie in der Bewerbungsliteratur behauptet wird. Dreh- und Angelpunkt der Bewerbung ist der Lebenslauf.

Das dritte Prinzip lautet: Zeugnisse dienen nicht der Information, sondern der Bestätigung.
Das Lesen eines zweiseitigen Arbeitszeugnisses dauert genauso lange wie das Lesen eines vier- oder fünfseitigen Lebenslaufes.

Wer einen inhaltsarmen Lebenslauf abliefert, darf nicht erwarten, dass der Empfänger zwei, drei oder noch mehr Arbeitszeugnisse liest, um sich die Informationen zusammen zu suchen, die der Bewerber schuldig blieb. Viel wahrscheinlicher ist, dass er den dürren Lebenslauf beiseite legt, um die Zeit, die er für das Studium der Zeugnisse benötigen würde, auf die nächsten drei Lebensläufe des vor ihm liegenden Stapels zu verwenden. Die Zeugnisse werden erst in der „zweiten Runde“ gelesen, also nachdem bereits eine Vorauswahl getroffen wurde. Die Zeugnisse dienen damit eigentlich nur noch der Bestätigung bzw. der Korrektur des Urteils, das anhand des Lebenslaufes gefällt wurde.

Das vierte Prinzip lautet: Auf die Dosis kommt es an.
Weil der Lebenslauf der Dreh- und Angelpunkt für die Vorauswahl ist, muss er informativ sein. „Information“ ist nicht eine wahllose Aneinanderreihung von Daten und Fakten, sondern eine zielgerichtete Auswahl und eine zweckmäßige Zusammenstellung der Daten. Hierbei das richtige Maß zu finden, ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Aber soviel steht fest: Junge und berufsunerfahrene Bewerber liefern in der Regel viel zu wenig Informationen; berufserfahrene ältere Bewerber, die auf zahlreiche Berufsstationen zurückblicken, viel zu viele.

Für junge Bewerber, also für Bewerber um einen Ausbildungsplatz, oder für Berufsanfänger, die ihre erste Stelle nach Abschluss der Ausbildung suchen, gilt: Lieber ein paar Informationen zu viel in den Lebenslauf hineinpacken, als zu wenig. Das heißt, dass auch alle außerberuflichen Aktivitäten, Ehrenämter, Mitgliedschaften, Anerkennungen, Belobigungen und Hobbys gebührend herausgestrichen werden sollten; denn wenn es noch keine Berufserfahrung gibt, an der ein Urteil festgemacht werden kann, dann müssen die Anhaltspunkte aus der privaten Sphäre kommen. Bei Ausbildungsplatz-Suchenden und Berufsanfängern darf und sollte deshalb auch das Anschreiben umfangreicher ausfallen; hier muss darlegt werden, welche Ziele, Pläne, Wünsche und Neigungen man hat.

Für Bewerber mit zehn, fünfzehn oder mehr Berufsjahren gilt genau das Gegenteil. Wer zu viel und überflüssige Information liefert, gerät in den Verdacht, das Wesentliche nicht vom Unwesentlichen unterscheiden zu können. Deshalb sollten folgende Regeln (sinngemäß) beherzigt werden:


  • Ist der letzte Ausbildungsabschluss das Abitur, ein Fachhochschul - oder Hochschulabschluss, dann interessiert eigentlich niemanden mehr, welche Schulen man zuvor besucht hat. Auch nicht, wie die Schulen hießen, wo sie sich befanden und ob sie evangelisch oder katholisch waren. Also lässt man diese Angaben weg. Ausnahme: Man weiß, dass dem Empfänger solche Angaben wichtig sind.

  • Das Thema der Diplom-Arbeit und der Dissertation interessiert möglicherweise ebenfalls nicht mehr, insbesondere, wenn es längst keinen Bezug mehr zur beruflichen Tätigkeit gibt.

  • Dasselbe gilt für Praktika. Man kann sie der Vollständigkeit halber erwähnen - z.B. wenn der Einstieg in die erste Firma über ein Praktikum zustande kam, aber man walzt das nur aus, wenn man genau weiß, dass das für den Empfänger von Belang ist.

  • Man erwähnt unter den Fremdsprachen keine „toten“ Sprachen wie z.B. Latein oder Altgriechisch, es sei denn, genau diese Sprachen sind für den Job erforderlich.

  • Man erwähnt nicht den LKW-Führerschein, wenn man sich auf einen Schreibtischjob bewirbt.

  • Man führt unter „Weiterbildung“ keine lange Litanei von Fremdsprachenkursen auf und fügt der Bewerbung auch nicht die zentimeterdicken Kursbescheinigungen bei, wenn man dank mehrjähriger Auslandsaufenthalte einen völlig hinreichenden Beweis für die Güte seiner Sprachkenntnisse liefern kann.

  • Die Kenntnis gängiger Office-Software wird mittlerweile als so selbstverständlich angesehen wie die Fähigkeit, mit Messer und Gabel umzugehen. Deshalb erübrigt es sich, alle Bestandteile eines Programmpaketes im Detail aufzuführen. Wer gesondert herausstreicht, dass er einen Browser starten, sich ins Internet einloggen und eine Email empfangen kann, macht sich lächerlich.

  • Seine beruflichen Tätigkeiten beschreibt man im Lebenslauf so detailliert, dass sich der Leser ein Bild machen kann, ohne die Tätigkeitsbeschreibungen der Zeugnisse zur Rate ziehen zu müssen.

  • Länger zurückliegende Jobs schildert man nur dann ausführlicher als die Positionen jüngeren Datums, wenn sie den Anknüpfungspunkt für die angestrebte Aufgabe liefern.

  • Welches Gewicht der Leser einer geschilderten Berufsstation beimisst, hängt nicht unwesentlich von dem Umfang und dem Platz ab, den der Verfasser dieser Station im Lebenslauf einräumt. Es lohnt sich, das Layout und die Seitenwechsel des Lebenslaufes unter diesem Gesichtpunkt zu optimieren.

  • Referenzen bietet man nicht schon in den Bewerbungsunterlagen an, sondern erst im Vorstellungsgespräch, und dort auch nur auf Nachfrage.

  • Und schließlich: Man bittet nicht um vertrauliche Behandlung der Bewerbung; das ist nämlich selbstverständlich. Und wenn es das irgendwo nicht sein sollte, dann ist die Bitte verfehlt.



Für beide – Berufsanfänger und Berufserfahrene – gilt:
Die eigene Religionszugehörigkeit und den Beruf bzw. die Ausbildung der Eltern, Geschwister oder Ehepartner führt man im Lebenslauf heute nicht mehr auf.

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Über die Autoren:
Vogel & Detambel
coaching for executives
Lortzingstr. 7
65187 Wiesbaden
Kompetenz aus 25 Jahren Tätigkeit in den Bereichen Personalberatung und Executive Search (u.a. für Neumann International, Berndtson-Gruppe, Eurosearch-Gruppe, Knight-Wendling), Outplacementberatung seit 1994.
Besuchen Sie uns im Internet: http://www.vogel-detambel.de
eMail: info@vogel-detambel.de

 
     

 

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