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Die schriftliche Bewerbung: - Dont's aus der Praxis

Ein Beitrag von Gitte Härter

 

„Hat Ihnen der Apfel geschmeckt?", fragt mich der Anrufer. – „Wie bitte?" – „Na, der Apfel! Hat er Ihnen geschmeckt?" – Ich bin deutlich verwirrt. Da ruft mich einer an und fragt mich, ob mir der Apfel geschmeckt hat ... Ich kapiere offensichtlich gar nichts und frage nach. Es stellt sich schließlich heraus, dass der Bewerber einen Apfel in einem separaten Päckchen an mich geschickt hat, um mit diesem Teaser meine Neugier auf ihn zu wecken. Dummerweise kam der Apfel nicht vor der Bewerbung und verursachte dadurch nichts als einen peinlichen Moment.



Gags verschicken

Jetzt bin ich ein lustiger aufgeschlossener Mensch und für jeden Gag zu haben. Nur, selbst wenn dieser Apfel – wie geplant – vor der Bewerbung angekommen wäre, hätte ich nur den Kopf geschüttelt. Denn der Bewerber verstand es nicht, seine außergewöhnliche Idee so zu verpacken, dass sie Sinn macht. Und den verlange ich durchaus bei einer Bewerbung: irgendein Bogen vom Apfel zum Bewerber muss da schon gespannt werden.

Ganz generell sollte aufpassen, wer witzig sein will: Bei welchem Unternehmen bewerben Sie sich? Wie präsentiert sich dieses Unternehmen? Außergewöhnlich sein und dadurch aus der Masse hervorstechen, ist wunderbar. Aber nicht jeder Gag ist auch originell.

Unpassendes bringt Ihre Bewerbung gleich auf den Absagestapel – oder kann Ihre ansonst gute Bewerbung gleich etwas ins falsche Licht rücken.

In die Abteilung Gruselkabinett gehören auch schlechte Reime à la: „Die Stelle interessiert mich sehr, drum möcht‘ ich drüber wissen mehr." In all den Jahren, in denen ich auch für die Bewerberauswahl und -einstellung zuständig war, habe ich immer wieder derart peinliche Hobbydichter gehabt. Okay, es ist Geschmackssache, aber meiner Meinung nach hat ein Gedicht in einer Bewerbung nichts, aber auch überhaupt nichts zu suchen, außer Sie bewerben sich als Poet.



Der Look Ihrer Unterlagen

Hier eine Auswahl von Unglaublichkeiten, die Bewerber tatsächlich wegschicken:

- Das Anschreiben ist eine schlechte Kopie, bei der im Betreff eine Zeile für die Position gelassen wurde.

- Das Anschreiben ist voller Schreibfehler, hin und wieder fehlt sogar die Unterschrift.

- Der Lebenslauf ist mehrere Jahre alt und hört einfach irgendwann vor dem aktuellen Datum auf.

- Die Unterlagen sind nicht vollständig, also nur jedes zweite Zeugnis ist dabei.

- Die Unterlagen sind knittrig und sehen aus, als ob jemand darauf gefrühstückt hätte.

- Die „Anforderungspostkarte" (siehe unten)

- Verbrecherfotos

Klingt absurd? Ich wünschte, ich würde übertreiben! Selbstverständlich sind die meisten Bewerbungen wirklich in Ordnung und sehen auch ganz gut aus. Trotzdem bleibt eine Fülle von Bewerbungsmappen, bei denen man wirklich nur noch den Kopf schütteln kann. Denn abgesehen davon, dass der Bewerber deutlicher nicht demonstrieren kann, dass er ein Schlamper ist, sich nicht selbst präsentieren kann und auch sonst keinen gesteigerten Wert auf Sorgfalt legt, ist es schlicht und ergreifend auch mangelnder Respekt dem Empfänger gegenüber.



Das Anschreiben

In der Praxis sind die Begleitschreiben leider irrsinnig nichtssagend und gleichlautend:



Sehr geehrte Frau Härter,
ich interessiere mich für die Stelle als xyz. Ich glaube, dass ich geeignet bin, weil ich engagiert und teamfähig bin.
Ich bin Stress gewöhnt und belastbar. Über eine Einladung zum Gespräch würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen



Sowas ist nicht nur furchtbar für den Empfänger, der 100 gleichlautende Bewerbungen auf den Tisch bekommt und irgendwie herausfinden soll, wen er denn nun einladen sollte. Es ist auch eine verpasste Chance, denn mit dem Brief entscheidet sich – natürlich neben Ihrer Qualifikation und Ihren Zeugnissen – ob Sie zum Interview eingeladen werden oder gleich eine Absage bekommen.

Hier wortwörtlich der Text einer Bewerbung („Anforderungskarte"), die ich auf eine Stellenanzeige im März 1996 bekommen habe. Es handelt sich um einen gedruckten Text auf einer Postkarte. In der Anzeige war unter anderem mein Name angegeben, den der Bewerber im Adressfeld auch nannte:



Sehr geehrte Geschäftsleitung/Personalleitung,
bitte teilen Sie mir mit, ob eine Bewerbung in Ihrem Hause sinnvoll ist. Die Art der Tätigkeit ist mir gleich, da ich mich auch gerne in neue Fachgebiete einarbeiten würde. Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, etc.) sende ich Ihnen auf Anfrage zu.

Mit freundlichen Grüßen
(Name)

Kurzbiographie:
Jahrgang *** – Kunststudium in Hamburg mit Abschlussexamen in Grafik Design (19**) – freie Mitarbeit (Entwurf & Ausführung): u. A. Plakat- und Schriftenmalerei, Giebel, Wandbilder, Gestaltung von Fahrgeschäften (Riesenrad), Verkehrsmittelwerbung



Woah!, kann ich da nur sagen. Ich habe dem Bewerber geantwortet, dass ich bei einer Bewerbung gerne die vollständigen Unterlagen hätte – wie in meiner Anzeige erbeten, um zu beurteilen, ob wir eine passende Stelle für ihn haben. Außerdem habe ich ihm ausführlich geschrieben, welchen Eindruck diese Karte macht. Ich kann nur hoffen, dass der Bewerber seinen Stil ändert, sonst muss er sich nicht wundern, wenn er keine Arbeit findet.



Mit spitzen Fingern ...

Mit der Bewerbungsmappe präsentieren Sie sich. Der Empfänger kennt Sie nicht. Das ist das erste, was er von Ihnen zu sehen bekommt – und wodurch er sich einen ersten Eindruck von Ihnen macht.

Es ist ein Trauerspiel, was einem da teilweise auf den Schreibtisch flattert.

Ja, viele Bewerbungen zu schicken, ist auf Dauer teuer. Aber sparen Sie nicht an der falschen Stelle: das rächt sich! Wenn Sie Ihre Bewerbungsunterlagen häufig verschicken, dann achten Sie einfach von sich aus schon auf eine stabile Mappe und gute Verpackung. Das schützt Ihre Dokumente.

Es ist gruselig, wenn man eine Bewerbung wirklich nur mit spitzen Fingern anfasst, weil abgesehen von -zig Knitterfalten ein Kaffeerand oder sonstige undefinierbare Rückstände zwischen den Blättern stecken.

Noch ein Tipp: Bevor Sie Unterlagen von einer Firma zur nächsten schicken, durchblättern und schauen, ob niemand Kommentare dazugeschrieben oder auf Ihre Zeugniskopien gekritzelt hat. Das sollte zwar nicht der Fall sein, aber doppelchecken ist besser. Hin und wieder findet sich auch eine Gesprächsnotiz über das Gespräch, die der letzte Personaler in den Unterlagen vergessen hat.

Ein früherer Chef hat es sich zur Gewohnheit gemacht, an den Bewerbungsunterlagen zu „riechen" und damit gleich festzustellen, ob es sich um starke Raucher handelt. Das war für unsere Firma damals durchaus relevant, weil wir ein Nichtraucherbüro waren.



Bitte vollständig!

Abgesehen davon, dass Ihre Bewerbung ordentlich aussehen sollte, muss sie auch vollständig sein. Ein Zeugnis, das fehlt, wird als vermutlich schlechtes Zeugnis angesehen, das Sie nicht zeigen möchten. Wenn Sie von einer Arbeitsstelle tatsächlich kein Zeugnis haben, tun Sie zwei Dinge: Fordern Sie es nachträglich an. Sofern die Firma Ihnen kein qualifiziertes Zeugnis mehr ausstellen kann, weil es zu lange her ist, dass Sie dort gearbeitet haben, bekommen Sie auf jeden Fall ein einfaches Zeugnis, aus dem der Zeitraum, die Position und die Aufgaben Ihrer Tätigkeit hervorgehen mit dem Hinweis, dass eine qualifizierte Aussage über Ihre Arbeitsleistung und Ihr Verhalten jetzt nicht mehr möglich ist. Wenn Sie Ihre Bewerbung abschicken möchten, obwohl Sie das Zeugnis noch nicht haben, seien Sie aktiv und weisen direkt darauf hin, dass das Zeugnis fehlt und warum. Und natürlich, dass Sie es nachreichen, sobald Sie es haben.

Lesen Sie aufmerksam die Stellenanzeige – ob in der Zeitung oder im Internet – und beantworten Sie etwaige Fragen, die das Unternehmen vorab stellt. Wenn um Angabe des Gehaltswunsches gebeten wird, bitte darauf eingehen. Falls Sie Ihren Gehaltswunsch nicht nennen (obwohl Sie es tun sollten), sprechen Sie diesen Punkt auf jeden Fall an: „Über das Gehalt möchte ich lieber persönlich mit Ihnen sprechen."



Fotos

Machen Sie ordentliche Bilder! Es lohnt sich, zu einem guten Fotografen zu gehen: Der passt auf, dass Sie nicht aussehen wie der letzte Verbrecher, und achtet auch auf optimales Licht. Sie können dann diese guten Bilder immer wieder nachmachen.

Wenn Sie keine Zeit haben, weil Sie sich spontan zu einer Bewerbung entscheiden, dann lieber kein Bild als ein furchtbares!

Zum Thema Foto finden Sie übrigens bei uns einen ausführlichen Artikel.

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Über die Autorin:

(c) Gitte Härter
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Gitte Härter war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber
veröffentlicht: http://www.schreibnudel.de .

Gemeinsam mit Christine Öttl hat sie unter anderem
Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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