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Warum sollten wir gerade Sie einstellen?

Ein Beitrag von Christine Öttl

 

Das ist wohl die Frage aller Fragen in einem Bewerbungsgespräch - entweder wird sie explizit und direkt so gestellt oder hinter einer ganzen Reihe von Fragen "versteckt": Denn letztlich geht es für den Personalentscheider ja darum, herauszufinden, was die einzelnen Bewerber sowohl fachlich als auch persönlich mitbringen - und auf dieser Grundlage die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Sprich die Person für das Unternehmen zu gewinnen, die wahrscheinlich am besten auf die zu besetzende Stelle und in die Firma passt.
Deshalb ist es sehr sinnvoll, sich ausführlich damit zu beschäftigen, welche Antwort Sie auf diese Frage geben können.

In meinen Bewerbungscoachings stelle ich diese Frage immer explizit: "Jetzt sagen Sie mal: Warum denken Sie, dass ich gerade Sie einstellen sollte!" Manche Leute rollen dann spontan mit den Augen und die Abneigung gegen diese Frage steht ihnen regelrecht ins Gesicht geschrieben - als hätte ich sie gerade massiv beleidigt! Andere kommen total ins Schwitzen, gucken verzweifelt und wissen überhaupt nicht, was sie jetzt machen sollen. Da ich knapp zehn Jahre lang als Abteilungsleiterin gearbeitet und selbst zahlreiche Bewerbungsgespräche geführt habe, weiß ich aus eigener Erfahrung: Solche Reaktionen gibt es sehr oft auch in echten Bewerbungsgesprächen. Und das ist schade!


Besser und hilfreicher ist es, wenn Sie:

- von vornherein damit rechnen, dass diese Frage in der einen oder anderen Form an Sie gestellt werden wird

- "Frieden schließen" mit der Tatsache, dass diese Frage in der einen oder anderen Form auftauchen wird

- sich klarmachen, dass diese Frage aus Unternehmenssicht nicht nur berechtigt, sondern sehr interessant ist

- die Frage als Chance für sich sehen, um sich intensiv auf das Gespräch vorzubereiten und möglichst gut über sich selbst Bescheid zu wissen

- die Frage als Chance sehen, um sich im Gespräch gut zu präsentieren und einen positiven wie differenzierten Eindruck zu hinterlassen.



Die Frage ist keine Provokation!

Wenn die Frage tatsächlich explizit gestellt wird, dann nicht deswegen, um Sie zu provozieren. Vielmehr will ein guter Interviewer damit herausfinden:

- Wie gut sind Sie vorbereitet? Wie viele Gedanken haben Sie sich im Vorfeld gemacht?

- Wie gut wissen Sie über das Unternehmen/die Branche/die Position Bescheid?

- Wie realistisch sind Ihre Vorstellungen von der Stelle, die Sie anstreben?

- Wie gut kennen Sie sich selbst und Ihre Stärken - fachlich wie persönlich?

- Wie stark ist Ihre Motivation? Wie sieht Ihre Motivation aus?

- Wie gehen Sie mit einer solchen Frage um? Wie reagieren Sie darauf?

- Wie präsentieren Sie sich selbst? Wie sprechen Sie über sich?

- Wie sind Ihre Umgangsformen?


Bitte versetzen Sie sich mal kurz in die Situation des Personalentscheiders und rufen Sie sich eine Bewerbungssituation vor Augen: Was denken Sie über einen Bewerber, der auf diese Frage hin schweigt und fragend guckt, Ihnen mit einem "Gute Frage!" antwortet oder gar unmissverständlich signalisiert: "Was soll das denn jetzt?!".


Tipp: Und falls die Frage doch provokant gestellt wird?
Ja, es kann passieren, dass Ihr Gesprächspartner Sie in die Mangel nehmen will und "die Frage aller Fragen" tatsächlich provokant stellt. Zum Glück kommt es ziemlich selten vor, weil gute Personalentscheider ihre Bewerber intensiv kennen lernen wollen - und das funktioniert umso besser, je weniger diese unter Druck stehen.
Falls es Sie aber doch mal treffen sollte, dann ist es am hilfreichsten, wenn Sie sich auf den Inhalt der Frage konzentrieren und den nicht so angenehmen Ton bewusst beiseite schieben. Machen Sie sich im Vorfeld klar: Sie müssen sich nicht auf den provokanten Ton einlassen - Sie können einfach nur die Frage beantworten. Das beste Fundament, um das auch zu schaffen, legen Sie, indem Sie sich intensiv vorbereiten und eine gute Antwort auf die Frage haben.



Eine kurze und aussagekräftige Antwort vorbereiten

Häufig beantworten Bewerber die Frage, warum man gerade sie einstellen sollte, mit einem einzigen Satz, der so oder so ähnlich klingt: "wegen meiner langjährigen Erfahrung in dem Beruf" oder "weil ich alle Voraussetzungen erfülle, die in der Stellenanzeige angegeben sind" oder "weil ich wichtiges Know-how mitbringe" oder "weil ich ein/e engagierte Mitarbeiter/in bin und immer mitdenke".
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Das sind wichtige Argumente, aber Ihr Gesprächspartner kann erst dann wirklich etwas mit ihnen anfangen bzw. kriegt erst dann einen klaren Eindruck von Ihnen, wenn Sie in Tiefe gehen und erzählen, was genau Sie damit meinen.

Besser als pauschal auf die Erwartungen des Unternehmens zu verweisen und zu behaupten, dass Sie diesen allen gerecht werden können, ist es beispielsweise, ein paar wenige herauszugreifen und dann zu erzählen, was Sie darunter verstehen, inwiefern Sie über die jeweilige Kompetenz verfügen und wie Sie diese in Ihrem bisherigen Arbeitsleben erfolgreich eingesetzt haben. Denn dann bringen Sie nicht nur Leben in Ihre Selbstpräsentation, sondern machen sich als individuelle Persönlichkeit (und als gut vorbereiteter Bewerber) greifbar.


Die Antwort auf die Frage, warum man Ihrer Meinung nach gerade Sie einstellen sollte, ist in Wirklichkeit nichts anderes als die Essenz aus all dem, was Sie zu bieten haben - abgestimmt auf die jeweilige Position und das Unternehmen. Aus diesem Grunde sollten Sie sich erst dann mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigen, wenn Sie sich intensiv mit allen anderen Fragen auseinander gesetzt haben, die in Bewerbungsgesprächen üblicherweise gestellt werden.


Das sind beispielsweise Gedanken über:

- Ihre fachliche Eignung - was Sie alles können

- Ihre persönlichen Kompetenzen - wie Sie sind, inwiefern Sie ein guter Kollege/Mitarbeiter sind

- Ihre Motivation - was genau Sie an der Stelle und am Unternehmen reizt

- Ihre Erwartungen - was genau Sie sich von der Stelle und dem Unternehmen erwarten, welche Pläne, Wünsche und langfristigen Ziele Sie haben

- warum Sie denken, dass Sie gut in das Unternehmen passen


Wenn Sie diese Vorarbeit geleistet haben (am allerbesten schriftlich!), können Sie aus der Fülle der Gedanken über sich selbst gezielt ein paar auswählen und zu einer Aussage kombinieren - so individuell wie möglich auf die jeweilige Position und das Unternehmen abgestimmt. Das erfordert zwar einige Zeit und Mühe, aber Sie werden sehen, dass es sich lohnt. Denn so gewinnen Sie erstens viel mehr Klarheit über sich und damit eine gute Grundlage, um sich auch gut zu präsentieren. Zweitens verlieren Bewerbungsgespräche deutlich an Schrecken und Stress, wenn Sie wirklich gut vorbereitet sind.



Aber ich bin doch nichts Besonderes!

Immer wieder treffe ich Leute, die sich von der Frage, warum man gerade sie auswählen sollte, komplett überfordert fühlen. Und zwar deshalb, weil sie meinen, sie müssten sich total von allen anderen abheben, alle Mitbewerber in den Schatten stellen, ein "Super-Überflieger" sein und etwas ganz Außergewöhnliches zu bieten haben. Da sie aber nichts Weltbewegendes und Spektakuläres zu bieten haben, versetzt sie die Aussicht auf diese Frage zwangsläufig in Angst und Schrecken.

Natürlich gibt es Positionen, die den so genannten "High Potentials" vorbehalten sind - und auf die sich auch nur Menschen mit den entsprechenden Voraussetzungen bewerben sollten. Aber das ist keineswegs der Normalfall. In den allermeisten Fällen suchen Unternehmen gute Leute, welche die ausgeschriebene Stelle gut ausfüllen können und zum Firmengeist passen. Und die "Frage aller Fragen" zielt nur darauf ab herauszufinden, ob das der Fall ist oder eher weniger.


Wichtig: einen klaren Eindruck hinterlassen
Bitte suchen Sie nicht verzweifelt nach irgendeinem möglichst ausgefallenen Wesenszug, den Sie allen anderen voraushaben und wodurch Sie sich von allen anderen abheben. Konzentrieren Sie sich auf sich selbst, machen Sie sich Ihre fachlichen wie persönlichen Kompetenzen und Stärken sowie Ihre Motivation klar: Die Kombination aus all diesen Dingen plus Ihr Auftreten insgesamt macht Ihre Individualität und damit Ihre Besonderheit aus.


Zum Schluss noch ein Hinweis: Manchmal wird diese Frage nur deshalb gestellt, weil der Interviewer bisher kein ausreichendes Bild vom Bewerber gewonnen hat. Wenn Sie das gesamte Gespräch - beispielsweise auch die Möglichkeit zu einer Selbstpräsentation am Anfang, die immer häufiger angeboten wird - aktiv nutzen, um sich als Persönlichkeit greifbar zu machen, dann machen Sie möglicherweise die Frage an sich überflüssig.

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Über die Autorin:

(c) Christine Öttl, objektiv. Management & Lebensqualität
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Christine Öttl war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin mit Schwerpunkt Bewerbung. Gemeinsam mit Gitte Härter
hat sie unter anderem Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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