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Assessment Center

Ein Beitrag von Gitte Härter

 

Sie sind zu einem Assessment Center eingeladen worden – und haben keine Ahnung, was das ist und was da auf Sie zukommt?

Keine Panik! Assessment Center (kurz: AC) sind mittlerweile weit verbreitet und sollen dazu dienen, den besten Kandidaten für eine Position rauszufinden. Der Begriff kommt aus dem Englischen "to assess": bewerten, abschätzen, beurteilen. Die Firmen, die ACs einsetzen, sind quer durch alle Branchen, besonders Beratungsunternehmen führen sie durch – für sich selbst oder für ihre Kunden. Übrigens gibt es ACs manchmal auch firmenintern: beispielsweise wenn bestehende Mitarbeiter die Managementlaufbahn einschlagen möchten.

Grundgedanke des Unternehmens ist es, möglichst klar vorhersagen zu können, wie sich die Bewerber in der Praxis benehmen und bewähren. Mehr oder weniger der gute alte Wunsch nach der Kristallkugel und dem Blick in die Zukunft. Zur Vorbereitung eines Assessment Centers sind in der Regel Psychologen involviert. Man versucht, anhand des fachlichen und persönlichen Stellenprofils, alle Eigenschaften herauszufiltern, die die Idealbesetzung haben muss bzw. sollte. Und stimmt darauf dann entsprechende Testaufgaben ab.

Da aber die Testsituation in der Gruppe ziemlich stressig für die Teilnehmer ist, da sich Kandidaten oft für’s AC präparieren und nicht selten versuchen, den idealen Kandidaten zu mimen und da auch die Beobachter nur Menschen sind, sind das bereits einige Variable, die das Ergebnis verfälschen. So "in" Assessment Center in vielen Unternehmen sind, gibt es Firmen, die schon wieder damit aufgehört haben, weil sie gesehen haben, dass die Methode nur begrenzt geeignet ist.



Der Ablauf

Wie ein Assessment Center im einzelnen abläuft, kann man nicht allgemein sagen. Das hängt immer von den Unternehmen ab.

Ein AC kann ein paar Stunden oder zwei bis drei Tage dauern. Es sind mehrere Bewerber dazu eingeladen. Die Aufgaben bekommt man sowohl einzeln, als auch in der Gruppe. Mit mehr oder weniger festen Regeln – oft gibt es auch gar keine großen Vorgaben und es ist dann schon Teil der Aufgabe, wie man sich der Sache und der Mitstreiter annimmt. Welche Tests genau gemacht werden, ist von Firma zu Firma unterschiedlich. In der Regel ist es eine Mischung von Wissenstests, Teamarbeit, Präsentationen und Aufgaben, bei denen die eigene Entscheidungskraft getestet wird. Außerdem kommen Einzelinterviews dazu.

Es ist natürlich ein seltsames Gefühl, wenn man unter ständiger Beobachtung steht. Und auch kleine Vorfälle können plötzlich zu einem Hindernis werden: In einer Art Assessment Center auf einer Recruiting-Veranstaltung hatte sich ein Bewerber eine Flasche Wasser geholt – und sie nicht aufbekommen! Er hat gedreht und gedreht, der Schraubverschluss wollte sich nicht lösen.
Sowas sind Situationen, die einem in dieser Umgebung ganz schön zu schaffen machen können. Da dreht sich alles im Kopf: Soll ich mir jetzt eine neue Flasche holen? Oder weiter versuchen? Oder jemanden fragen? Ob das jetzt auch beurteilt wird, wie ich reagiere?
Der Bewerber hat nach minutenlangem vergeblichen Drehen übrigens sehr souverän reagiert und das getan, was er im privaten Umfeld auch gemacht hätte: Er hat gelacht und den Teamkollegen die Flasche hingehalten: "Ich krieg sie nicht auf!" – Ein Teamkollege hat sie dann geöffnet. Es war ein kurzer, entspannter Zwischenfall.

Beobachtet wird neben fachlichen Inhalten auch, wie der Bewerber persönlich so drauf ist: Wie geht er mit den anderen Teilnehmern um? Wie verhält er sich in der Gruppe? Bezieht er die anderen mit ein oder überfährt er jeden mit seinen Ideen, packt er die Aufgabe an oder zieht er sich zurück? Genau vorhersagen, was gut und was schlecht ankommt, lässt sich nicht: Da ist jedes Unternehmen unterschiedlich. Trotzdem gibt es natürlich Eigenschaften, die gut kommen: aktiv dabei sein, Ideen bringen, sich durchsetzen, gleichzeitig aber die Gruppe respektieren.

Wichtig ist: sich selbst treu bleiben. Wie beim Vorstellungsgespräch ist es wichtig, auch im Assessment Center man selbst zu sein. Denn nur so kann die Firma sich ja wirklich ein Bild von einem machen. Umgekehrt will man ja auch nicht eine Stelle unter falschen Voraussetzungen bekommen – und dann stellt sich heraus, dass das eigentliche Ich, das im Alltag ja sehr schnell rauskommt, nicht mit den Kollegen harmoniert.



Wissenstests

Gerade auf die Wissenstests kann man sich gut vorbereiten: Fragesammlungen zu Intelligenztests oder Allgemeinbildung, zu Logikaufgaben gibt es im Buchhandel. Da lernt man dann die verschiedenen Muster, die es bei diesen Intelligenztests so gibt, kennen und kann beruhigter ins AC gehen.

Eine Website mit umfassenden Tests ist zum Beispiel
http://www.testedich.de



Die Aufgaben

Viele ACs sind vom Grundgerüst her gleich: Es gibt Klassiker wie die "Postkorb-Übung" - man bekommt einen Eingangskorb mit den unterschiedlichsten Aufgaben, beruflicher wie privater Natur. Telefonnotizen, Aktenvermerke, eingegangene Briefe ... und dann heißt es, diese zu sichten und richtig zu priorisieren.
Der Inhalt ist von Firma zu Firma verschieden, aber das Prinzip bleibt.

Für klassische AC-Aufgaben gibt es Literatur, die einem hilft, sich vorzubereiten. Oder auch richtige Trainings, um sich auf so ein AC vorzubereiten.
In unseren Buchtipps stellen wir ein Buch von Hesse/Schrader zum Thema vor.



Optimal vorbereiten

Die optimale Vorbereitung liegt nicht im Antworten-pauken, im Informationsvorsprung: alles das, was man selbst unter Kontrolle halten oder bringen kann, tun. Sich, wie angesprochen, mit den möglichen Aufgaben vertraut zu machen. Das Reden vor anderen, womit viele Leute Schwierigkeiten haben, zu üben – können ja ruhig ein paar Freunde sein. Hat den Vorteil, dass diese einem auch sagen können, wie man so rüberkommt. Sich mit der eigenen Nervosität auseinanderzusetzen. Und sich vor allen Dingen klarzumachen, dass man auch selbst das Unternehmen abcheckt. Beim Assessment Center steht man zwar selbst auf dem Prüfstand – aber die Firma ja auch. Denn auch die Art, wie der Test durchgeführt ist, sagt was über das Unternehmen aus. Also einfach zur Gegenbeobachtung ausholen.

Und wie ist das mit der Körpersprache? Wird da wirklich auf alle Details geachtet?
Der allgemeine Eindruck wird natürlich schon bewertet. Und dazu gehört auch, ob man Blickkontakt hält, eine offene Haltung einnimmt oder sich verschlossen zurückzieht und in die Luft starrt. Auch hier ist es natürlich wieder wichtig, möglichst relaxt zu sein. Aber schon auch bewusst auf die eigene Gestik & Mimik zu achten.
Also beispielsweise nicht wild mit den Augen rollen, wenn jemand was sagt, was nicht so toll ist. Das kommt ja in einer realen Arbeitssituation auch nicht gut.

Übrigens auch dran denken, dass die Pausen und eventuelle Abendveranstaltungen nicht bedeuten, dass damit das AC ausgeknippst ist. Klar ist auch interessant, wie sich ein Kandidat in der Freizeit benimmt. Selbst wenn die Atmosphäre noch so locker ist, empfiehlt es sich trotzdem, aufmerksam dabei zu bleiben und sich vor Augen zu halten, warum man da ist. Der nette Beobachter hat nun mal die Aufgabe, sich ein Bild vom Kandidaten zu machen und alle untereinander und miteinander zu vergleichen. Und das wird er natürlich auch außerhalb der formellen AC-Zeiten tun.



Für sich Nutzen ziehen

Was bringt das AC – auch wenn es nicht das Jobangebot bringt? Sehr viel. Es ist sehr anstrengend, aber verrät einem eben auch sehr viel über sich selbst. Wie bin ich damit umgegangen? Wie war das Gefühl, im Rampenlicht zu stehen? Zu reflektieren: Wie bin ich mit den einzelnen Aufgaben umgegangen? Was hat mir am meisten Probleme bereitet? Warum? Das eigene Fazit ist sehr, sehr wertvoll – wenn dann auch was passiert.

Positiver Nebeneffekt: Nicht nur neue Situationen, sondern auch neue Leute kennenlernen. Deshalb bitte nicht die Mitkandidaten misstrauisch als Konkurrenz beäugen, sondern die Gelegenheit für neue Kontakte wahrnehmen. Sitzen doch alle im selben Boot. Warum nicht Spaß dabei haben?

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Über die Autorin:

(c) Gitte Härter
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Gitte Härter war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber
veröffentlicht: http://www.schreibnudel.de .

Gemeinsam mit Christine Öttl hat sie unter anderem
Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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Link zum Buch:
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