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Der Umgang mit Stärken und Schwächen

Ein Beitrag von Gitte Härter

 

Eine Standardfrage im Bewerbungsgespräch: Was sind Ihre Stärken und Schwächen? Obwohl man schon weiß, dass diese Frage mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kommen wird, reagieren viele Bewerber wie das Kaninchen vor der Schlange. Die Augen weiten sich, Schweigen macht sich breit.
Wenn Sie so reagieren, sagt das nur eins: Sie sind nicht vorbereitet.

Weder auf eine – total vorhersehbare – Situation. Noch haben Sie sich jemals mit sich selbst auseinandergesetzt. Oder aber Sie haben, aber sind verunsichert, was Sie sagen möchten, weil Sie es dem Gegenüber recht machen möchten. Verständlich zwar, aber einen Blumentopf gewinnen Sie nicht.

Also lassen Sie uns mal von vorn anfangen – gern möchte ich einige Mythen ausräumen, die leider unermüdlich von Bewerbungsratgebern, von der Presse und von Freunden, die sich auskennen, propagiert werden:

- Ich muss Antworten geben, die mein Gegenüber von mir hören will.

- Ich muss perfekt sein – eine einzige Schwäche zugeben, und ich bin weg vom Fenster.

- Der Personaler erwartet eine eierlegende Wollmilchsau.



Die Wirklichkeit:

Ein Unternehmen sucht den richtigen Kandidaten – fachlich richtig qualifiziert und persönlich so, dass er für die Position gut geeignet ist und dass er ins Team passt.

Kein Mensch ist perfekt. Der Personaler versucht, aus den Unterlagen und im Gespräch herauszufinden, mit wem er es zu tun hat. Er möchte ein gutes Gefühl für das Gegenüber bekommen. Das kann er nur, wenn der Bewerber offen antwortet und Profil zeigt.

Natürlich möchten Personaler sich für den idealen Kandidaten entscheiden. Aber jeder weiß, dass es keine Supermänner gibt.



Wieso denn dann überhaupt Selbstmarketing, wenn man so brutal ehrlich sein soll?

Ha! Von brutal war nie die Rede ... und genau das ist der Knackpunkt. Natürlich sollten Sie sich von Ihrer besten Seite zeigen. Aber immer authentisch bleiben. Nichts behaupten, was Sie nicht halten können. Aber sich natürlich optimal präsentieren.

Das geht nur, wenn Sie sich auch gut vorbereitet haben.

Alleine die Tatsache, dass Sie unter Ihren vielen Stärken einige wenige aussuchen, die Sie gerade bei diesem Gespräch nennen möchten.

Lassen Sie bitte die Hände weg von empfohlenen (!) Standard-Antworten à la „Wenn es so richtig stressig wird, laufe ich zu Hochform auf." Das löst beim Personaler in der Regel nur noch Gähnen aus, denn das sagt jeder zweite.



Wie vermittle ich denn dann glaubhaft meine Stärken?

Normale Formulierungen und Beispiele, Beispiele, Beispiele. Fleisch muss an die Knochen. Wenn Sie also behaupten, dass Sie besonders ruhig bleiben, wenn es stressig wird, dann zeigen Sie das anhand eines Beispiels aus Ihrem bisherigen Arbeitsleben. Wie war die Situation genau? Warum war sie besonders stressig? Wie genau haben Sie reagiert, wenn Sie sagen, Sie sind ruhig geblieben?

Lassen Sie Ihr Gegenüber die Situation mit erleben.

Wenn Sie tatsächlich Standard-Antworten haben, die auf Sie zutreffen, dann gehen Sie in die Offensive: „Sie hören das sicher häufig, dass Bewerber unter Stress zur Hochform auflaufen. Bei mir ist es tatsächlich so, lassen Sie mich erklären, was Stress für mich überhaupt bedeutet ...." und dann ein paar aussagekräftige Sätze, was Ihre Definition von Stress ist und inwiefern Sie zur Hochform auflaufen. Bleiben Sie aber auf dem Teppich: kein Mensch möchte ständig unter Strom stehen. Denken Sie auch immer an den Umkehrschluss: Aha, wenn es keinen Stress gibt, wird er mittelmäßig, was?



Die Stärken sind noch einfach – aber die Schwächen?

Ach, Sie meinen, die Schwächen sind schwieriger, weil Sie vielleicht eine Stelle nicht bekommen, weil Sie eine bestimmte Sache nicht so gut können?

Seien wir mal realistisch: Wenn Sie für eine Position fachlich qualifiziert sind, einen guten persönlichen Eindruck gemacht haben, dann ist niemals ein einziger Punkt der Ausschlag, dass Sie sofort eine Absage bekommen.

Eine Stelle nur wegen einer bestimmten Schwäche nicht zu bekommen, kann Ihnen nur dann passieren, wenn es sich um Eigenschaften, Kenntnisse oder Fähigkeiten handelt, die für diese spezielle Position äußerst wichtig ist.

Wenn Sie sich als Außendienst in einer Computerfirma bewerben, aber fremden Menschen gegenüber total schüchtern und introvertiert sind, dann bekommen Sie, wenn Sie das offen sagen, diese Stelle nicht. Zum Glück! Und zwar nicht nur für das Unternehmen – sondern auch für Sie! Es wäre ja eine grauenhafte Situation für Sie, wenn Sie sich dieser Situation ständig aussetzen müssten.

Dann also lieber gleich gegenseitig feststellen, dass es nicht passt.

Auch bei den Schwächen gibt es klassische Unsinns-Standard-Antworten. Mein Favorit: „Meine Schwäche ist, dass ich zu genau arbeite."

Kreisch!

Ich pflegte in solchen Fällen den Bewerber scharf anzuschauen und zu sagen: „Ersparen Sie mir diesen Unsinn. Ich will eine ehrliche Antwort von Ihnen und nicht diesen Standard-Schmarrn." Ja, ich weiß, das war nicht besonders nett von mir. Aber nur so konnte ich Gespräche tatsächlich noch retten. Ansonsten geht das Gespräch zu Ende, der Bewerber verlässt den Raum, und man hat als Personaler überhaupt keinen persönlichen Eindruck, weil man lauter Standards gehört hat. Im Zweifelsfall heißt es dann absagen, auch wenn der Bewerber, wäre er authentisch gewesen, die Idealbesetzung gewesen wäre.

Fazit: Hinterlassen Sie einen eigenen Eindruck im Bewerbungsgespräch. So haben Sie die besten Chancen, die richtige Stelle zu bekommen.



Sollen Sie wirklich alle Ihre Schwächen auf den Tisch legen?

Hier kommen wir wieder zum oben genannten „brutal ehrlich" sein. Natürlich sollen Sie nicht alles daran setzen, Ihr Gegenüber davon zu überzeugen, dass er sie ja nicht einstellt. Beschränken Sie deshalb bitte Ihre Aufzählung von Stärken und Schwächen auf die für die Position relevanten Punkte. Sofern Sie – was selten der Fall ist – wirklich krasse Punkte haben à la „Ich werde, wenn mich jemand ärgert, so jähzornig, dass ich Sachen in die Ecke werfe", halten Sie damit hinter dem Berg.

Ich widerspreche mir da? Erst sage ich authentisch bleiben und dann sollen Sie Dinge nicht sagen? Nur ein vermeintlicher Widerspruch: Im Gespräch ist es das erste Kennenlernen. Sie sollen offen sein und einen guten Eindruck machen. Sie sollen nichts erzählen, was nicht stimmt. Und auch keine Fähigkeiten und Kenntnisse vorgaukeln, die Sie nicht haben.

Es wäre aber dumm von Ihnen, sich nicht von Ihrer Schokoladenseite zu präsentieren. Setzen Sie sich und Ihre Vorteile also geschickt in Szene.

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Über die Autorin:

(c) Gitte Härter
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Gitte Härter war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber
veröffentlicht: http://www.schreibnudel.de .

Gemeinsam mit Christine Öttl hat sie unter anderem
Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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