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Bewerbungsgespräch: Meinungsfragen

Ein Beitrag von Gitte Härter

 

Zu jedem Vorstellungsgespräch gehören natürlich auch Fragen - diese reichen von "Faktenfragen" (z. B. Erzählen Sie doch mal bitte Ihren Lebenslauf in eigenen Worten.) über Erfahrungen bis hin zu Meinungsfragen.

Letztere verunsichern manche Bewerber ganz schön. Ich erinnere mich beispielsweise an eine Bekannte, die völlig erbost von einem Bewerbungsgespräch kam und sich mordsmäßig über die "unmöglichen Psychofragen" aufgeregt hat. Auf meine Frage, was das denn für Fragen waren, meinte sie: "Wie gehen Sie mit Stress um?" - Diese Frage fand sie total "unmöglich" für ein Interview. Ich fand sie total normal.

Und da ist auch die Grenze, wie man sich selbst - gerade in so Ausnahmesituationen wie einem Bewerbungsgespräch fühlt:

- Welche Fragen bringen einen aus dem Konzept?
- Mit welchen Fragen tut man sich selbst schwer?


Ausnahmezustand

Alleine die Tatsache, dass man in einem Bewerbungsgespräch quasi unter Beobachtung steht und natürlich einen möglichst guten Eindruck machen möchte, bringt einen Ausnahmezustand mit sich. Man ist nervös - manche Menschen mehr, manche weniger.
Und, ganz klar: Bei Fragen - gerade wenn es um Meinungsfragen geht - kann man selbst nicht einschätzen, was das Gegenüber hören möchte. Und gerade darin besteht für viele Bewerber der innerliche Stolperstein: Können/sollen sie ihre ehrliche Meinung sagen oder lieber nicht? Was ist denn nun "die richtige" oder gerade die falsche Antwort?

Einer unserer Kunden erzählte von folgender Situation im Bewerbungsgespräch: Er bewarb sich bei einem großen deutschen Automobilkonzern. Die Frage an ihn lautete: "Wir werden im nächsten Jahr einige Hundert Arbeitsplätze streichen müssen und Leute entlassen. Wie stehen Sie dazu?"

Doch auch weniger schwierige Themen haben es in sich. In meiner Zeit als Vertriebsleiterin eines Medienkonzerns stellte ich oft die Frage "Der Kunde ist König. Was halten Sie von diesem Spruch?" - Die meisten Bewerber bestätigten vollen Herzens, weil sie dachten, ich wolle das hören. Tatsächlich stehe ich diesem Spruch mehr als skeptisch gegenüber.
Wichtig hierbei ist: Es ging mir weniger um das, was Bewerber inhaltlich sagten, als vielmehr um das WIE.

Meinungsfragen dienen dem Interviewer also dazu

-> eine Meinung/Standpunkte des Bewerbers auszuloten (Wobei gute Personalentscheider dies mit Vorsicht genießen, weil sie wissen, dass viele sich scheuen oder einfach zu nervös sind, ihre eigene Meinung zu sagen.)

-> zu sehen, wie ein Bewerber überhaupt mit einer Frage umgeht

-> zu sehen, wie sehr sich der Bewerber mit dem Thema/mit sich selbst beschäftigt hat

-> zu erkennen, wie und ob der Bewerber eine spontane Meinung hat/sie sich zu sagen traut

-> und sich generell einen Eindruck zu machen: Außerdem dienen gerade Meinungsfragen dazu, einen Bewerber etwas ausführlicher zum Sprechen zu bringen.


Was können Sie im Gespräch machen?

Erstmal: Nur die Ruhe.
Wie gesagt, geht es dem Personentscheider darum, ein konkreteres Bild von Ihnen zu bekommen - und zwar nicht nur, was Ihren beruflichen Werdegang und die fachliche Qualifikation anbelangt, sondern vor allen Dingen im Hinblick auf Ihre Person.

Genauso schwierig wie es für Sie ist, aufgrund eines einstündigen Gespräches herauszufinden, wie das Unternehmen, die Stelle, die Leute sind und ob Sie dort gern arbeiten möchten und sich wohlfühlen, genauso schwer tun sich Personalentscheider.

Darum ist es gerade wichtig - und auch gut für Sie! - wenn Sie Meinungsfragen gestellt bekommen. Denn sie geben Ihnen die Gelegenheit, Profil zu zeigen - und nicht nur als "irgendein weiterer Bewerber auf die Stelle" zu erscheinen.

Am geeignetsten sind dazu Fragen wie

- Wie finden Sie ...?
- Was halten Sie von ...?
- Was war ein peinliches Erlebnis für Sie ...?
- und und und


Sicherlich sagen Sie - mal abgesehen von der Bewerbersituation - eigentlich ganz gerne auch Ihre eigene Meinung, oder?

Stellen Sie sich einmal vor, wir sind befreundet und sitzen gemütlich beim Kaffee zusammen. Das Gespräch kommt aufs Berufsleben - und ich frage: "Hey, was fandest Du in Deiner letzten Stelle denn am schwierigsten?" oder "Was erwartest Du eigentlich von einem guten Chef?", dann würden Sie sicherlich sofort loslegen und gern Ihre Meinung sagen, oder?

Es ist also weniger die Frage, die im Bewerbungsgespräch meist verunsichert, sondern die Situation und die Tatsache, dass Sie nicht recht einschätzen können, was man von Ihnen erwartet.

Und ... oft mangelnde Vorbereitung: Mit vielen Fragen kann man sich nämlich tatsächlich vorher beschäftigen - wie man dazu steht, welche Meinung man hat. Und ganz wichtig: Auch Beispiele dazu überlegen. Sonst bleibt man nämlich meist sehr an der Oberfläche.

Beispiel?

"Ich bin total flexibel und ich brauche Druck, um gut zu arbeiten."

"Oh, was verstehen Sie denn unter flexibel? Und was genau ist der Druck, den Sie offenbar brauchen? Arbeiten Sie nicht gut, wenn kein Druck da ist?"

Boing! - Die meisten Bewerber kommen genau hier ins Stottern, weil sie nämlich Schlagwörter ins Spiel bringen und diese dann nicht näher begründen können.


Also: Freuen Sie sich über Meinungsfragen! Sie sind eine schöne Chance für Sie ... und sie zeigen auch, dass das Unternehmen an Ihnen als Person interessiert ist und nicht nur nach "Papier und Lebenslauf" entscheidet.

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Über die Autorin:

(c) Gitte Härter
eMail: objektiv@selbstmarketing.de

Gitte Härter war selbst Führungskraft und viele Jahre Coach und
Trainerin. Außerdem hat sie über zwei Dutzend Ratgeber
veröffentlicht: http://www.schreibnudel.de .

Gemeinsam mit Christine Öttl hat sie unter anderem
Bewerbungsratgeber veröffentlicht.

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